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Kenia 2003

Ich mache es kurz:
Kenia ist ein tolles Land! Die Landschaft ist wunder schön, die Tierwelt faszinierend und die Menschen abseits der Touristenmetropolen sind freundlich und lieb.
Das war es aber auch schon!
Wir wählten fataler Weise die Gesellschaft ASC (African Safari Club). Beginnen wir am Anfang: Der Flug. Die Airline ASA (na, wer erkennt die Ähnlichkeit im Namen?) flog uns von Basel aus direkt nach Mombasa. Kling in der Theorie toll, jedoch hatten wir bereits am Baseler Flughafen den Kaffee auf! ASA hatte einen eigenen Counter,  der natürlich nicht besetzt war und wir so stundenlang mit unserem Gepäck in einem kleinen Raum sitzen mussten. Als wir es endlich in die Maschine geschafft hatten, kam der erste richtige Schock: ein total altes Möhrchen, die Beleuchtung flackerte, die 2 Röhrenfernsehr waren mit Draht gesichert und wackelten beängstigend beim Taxi-Out. Kurz nach dem Takeoff fielen uns die Sauerstoffmasken entgegen, was bei einigen Fluggästen zu Panik und beim Personal zu Entnervtheit führte. Naja, wir haben überlebt – erst mal…

Das Hotel Coral-Beach in Shanzu, nördlich von Mombasa, war ganz okay. Wir waren das erste mal in Kenia und hatten keine großen Ansprüche. Leider ging dieses Hotel bereits am dritten Tag in Flammen auf! Klingt unspektakulär, aber es war für uns eine Erfahrung, welche sich „eingebrannt“ hat. Das Feuer an sich war nicht unser Problem, wir konnten relativ schnell flüchten und konnten sogar einen Koffer mitnehmen, den wir trotz brennenden Dach noch aus unserem Zimmer retteten. Dann begann allerdings eine der längsten Nächte unseres Lebens!
Das Feuer brach am frühen Abend aus, wir wollten kurz vor dem Abendessen noch schnell ein paar Mails schreiben und befanden uns im Internetcafe. Plötzlich ging das List aus und die ersten Menschen liefen wild herum. Da die PCs über eine USV mit Strom versorgt wurdem haben wir uns weiter auf die Mail konzentriert. Plötzlich hörte man eine (Gasflaschen-)Explosion und Panik brach aus. Das war der Moment, in der ich Britta an die Hand nahm und mit zu unserm Zimmer zog. Dort warfen wir alle möglichen Klamotten in einen Koffer, nahmen unsere Wertsachen und flüchteten zum Sammelpunkt vor der Lobby. Es war eine große Wiese, ein kleiner Fußballplatz. Dort schauten wir uns den Brand an und warteten auf die kenianische Feuerwehr.

Los gehts in den Busch, möglichst weit weg von den Gastanks

Nach ca. einer Stunde mussten wir die Wiese verlassen, da die unterirdische Gastanks eine zu große Gefahr darstellten. Dies war übrigends der einzige Kontakt von „verantwortlichem Personal“ mit uns.
Uns blieb nur die Flucht herunter vom bewachten Hotelgelände und rein in den Dschungel. Rund um das Hotel war erst mal nichts, nur ein kleiner Weg. Keine Beleuchtung, kein gar nichts! Wir gingen in einer größen Gruppe von ca. 300-400 Personen diesen Weg immer weiter, in der Hoffnung irgendwo Unterschlupf zu finden. Man darf nicht vergessen, dass es genügend Wildtiere wie Löwen, Schlangen, Spinnen usw. im Busch gibt. Leider waren das nicht die einzigen Gefahren. Zwischendurch erfuhren wir, dass einige Urlauber ausgeraubt wurden, es kamen Männer mit Knüppeln aus dem Busch heraus, nahmen die Koffer und verschwanden wieder.
Für einige Urlauber war das zu viel, sie liefen in Panik schreiend umher, machten weiter Panik und verängstigten uns sehr. Nach mehreren Stunden dann die Erlösung: Ein LKW hielt an, Soldaten stiegen aus, und ja, ich sah eine deutsche Fahne und Maschinengewehre! Ich kann kaum beschreiben wie froh ich über diesen Anblick war! Ich habe mich noch nie so sehr über einen schwer bewaffneten Soldaten gefreut, und dann auch noch deutsche!
Wir wurden in ein stillgelegtes Hotel verfrachtet, was allerdings die ganze übrige Nacht dauerte. Die Soldaten versorgten uns mit Wasser – dies war übrigens das erste und bisher einzige Mal, dass wir wirklich durstig waren.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit wurden wir auf die Zimmer und Bungalows verteilt. Das stillgelegte 5-Sterne Hotel war allerdings etwas verwildert, die Affen hatten das Kommando über die Dächer, die Insekten und Schlangen über die Inneneinrichtungen. Daher wurde jede Räumlichkeit genauestens kontrolliert bevor wir hinein durften.

Nach ner Flasche Rum wurde es witzig

Wir hatten Glück: wir wurden einem Bungalow zugewiesen, allerdings zusammen mit 2 anderen Pärchen, denn unser Bungalow hatte 2 Schlafzimmer und ein großes Wohnzimmer. Die Leute waren witzig, wir hatten viel Spaß. Unterstützt wurde der Spaß durch Alkohol, denn es gab ein Problem: (noch) kein Wasser. Wir haben alle unserer Gepäch durchsucht und folgende trinkbare Flüssigkeiten gefunden: 2 Dosen Bier und eine Flasche Rum. Tja, dann ging es ganz schnell, der Rum und die Bier gingen reihum, das war besser als Nichts und am Ende witzig ;-). Zwischendurch bekamen wir immer wieder Besuch von diversen Personal. Er Eine brachte uns Wasser, der Nächste Handtücher. Wieder Einer pflegte Anwesenheitslisten und dann gab es noch Sicherheitseinweisungen. Auf dem Bild sieht man einen farbigen Mitarbeiter, er war ein Manager des abgebrannten Hotels und so nett, dass wir ihn mit Hilfe von Rum überredeten bei uns zu bleiben und uns Infos zu geben. Dabei erfuhren wir, dass das Feuer wohl von den Angestellten gelegt wurde, da Diese erneut keinen Lohn bekommen haben. In einer der (unterirdischen) Küchen sollen einige Angestellte verbrannt/erstickt sein, da es nur eine kleine Treppe in die Küche gab. Puh, das waren heftige Informationen. Danach gingen wir schlafen – african Style, zwar auf dem Bett, allerdings als Bettlaken und Bettdecke jeweils ein großes Handtuch, Sofakissen als Kopfkissen. Ungeziefer „manuell“ entfernt, Taschenmesser geöffnet und griffbereit direkt neben mir. Doch dann ging es schnell, irgendwann nachmittags wachten wir auf und konnten uns an das einschlafen nicht mehr erinnern, es war wie auf Midazolam.

 

Am nächsten Tag wurden wir über den weiteren Ablauf informiert: die Hotelleitung hatte sich entschieden, das Hotel wieder komplett in Betrieb zu nehmen, also inkl. der Restaurants, Bars, Pool etc. Wir konnten also in dem Bungalow bleiben – den wir mittlerweile von Getier befreit und durchgeputzt hatten. Um im alten Hotel verbliebene Wertsachen zu bergen, konnten wir gruppenweise zur Ruine fahren, was wir natürlich auch machten. Es stelle sich heraus, dass wir – bis auf ein paar Tandtücher und einer kleinen Tasche keine Verluste hatten – wir hatten also trotz der panik sehr gut gepackt.
Auf dem Rückweg zum Bus entdeckten wir ein Kamerateam, ein freundlicher Herr bat uns direkt um ein Interview – er war vom WDR. Naja, wir haben spontan JA gesagt und schaffen es so in die „Aktuelle Stunde“:

Interview für das WDR

Nach dieser Aktion bimmelte die telefone bei unseren Eltern ohne Unterbrechung. Unglaublich wie viele Leute die Aktuelle Stunde schauen, das hätte ich nie gedacht.

 

Zwei Tage später hatten wir den Bungalow für uns allein, die anderen Päärchen reisten ab – wir blieben! Und damit begann für uns endlich der Urlaub. Unsere 110qm Unterkunft, direkt an einem kleinen Pool, mit Terrasse, eigenen Liegen, zwei Badezimmer… wir waren fast im Paradies und die Erlebnisse der letzten Tage waren plötzlich ganz weit weg. Sechs Tage lang ging das gut, bis wir aufflogen: ein Manager kam bei uns vorbei und wunderte sich, dass wir lediglich zu zweit waren. Am nächsten Tag mussten wir in ein „normales“ Zimmer umziehen, aber damit kamen wir klar, denn auch das normale Zimmer war auf 5-Sterne Niveau.

[bald gehts weiter]

 

Hier ein paar Bilder:
Kenia 2003




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